J-Rock/-Pop und Visual-kei der Club der Seelenlosen Nihon-Freaks

Visual Kei

Visual Kei ist eine der wichtigsten und bekanntesten Sparten des J-Rock. Man könnte sagen, dass die Visual Kei-Szene in etwa der uns bekannten Gothic-Szene entspricht, die es in dieser Form in Japan nicht gibt. In diesem Genre gibt es vorherrschend Bands mit männlichen Musikern, wie X-Japan, Dir en grey oder Malice Mizer.
Wichtig an dieser Stilrichtung ist also nicht nur die Musik, sondern vor allem ihre visuelle Umsetzung. Ähnlich unserer Gothicmusik herrscht im Visual Kei eine eher düstere Atmosphäre vor, wobei die ideologische Komponente des Gothic fehlt. Ausnahmen sind jedoch nicht selten (Bsp.: Psycho le Cému).
Auch im Visual Kei zeigt sich wieder die Heterogenität, die sich in der gesamten modernen japanischen Musik widerspiegelt. Denn es gibt keinen festen Visual Kei-Look. Beim Aussehen sind den Künstlern keine Grenzen gesetzt, erlaubt ist, was gefällt und noch viel, viel mehr. Manche gleichen Mangafiguren, wirken durch die Kombination von männlicher und weiblicher Mode androgyn. Crossdressing ist nahezu Pflicht im Visual Kei. Die verschiedensten modischen Elemente, wie Punk und Gothic, aber auch Schuluniformen und Fantasiekostüme, werden mit einander kombiniert, stilisiert und so übertrieben, dass daraus vollkommen eigenständige, neue Stile entstehen (z. Bsp. Elegant Gothic Lolita, Elegant Gothic Aristokrat durch Mana).
Jede Band wechselt Modestil und Outfit, wie es ihr gefällt und wie es zu ihrer momentanen Musik am besten passt. Visual Kei ist also keinesfalls ein statisches Genre, sondern verändert sich mit jedem neuen Auftritt seiner Künstler. Trotzdem sollten Kostüm und Musik immer zueinander passen.
Die Visual Kei-Musiker hüllen sich zudem gern in Geheimnisse, um ihr undurchschaubares, äußerst wandelbares Images aufrecht zu erhalten. Daher können Interviews meistens nicht besonders ernst genommen werden. Gesicherte Infos über ihre Idole dringen so kaum zu den Fans vor, da in Interviews sehr oft gelogen wird. Manche Künstler, wie beispielsweise Gackt Camui, machen sogar aus ihrem Namen und ihrem Alter ein großes Geheimnis.

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Geschichte

Die Haupteinflüsse bezog Visual Kei aus der New Romantik und dem Batcave der frühen 1980er Jahre, deren Ursprünge im Wesentlichen im Glam-Rock lagen. Als VK-Vorbilder dienten daher unter anderem westliche Rocker wie David Bowie, Kiss und Twisted Sister, die sich wiederum vom Kabuki, dem traditionelles japanisches Theater der Edo Zeit (1603-1867), hatten inspirieren lassen, sowie die modische Aufmachungen von Visage, Siouxsie and The Banshees oder Alien Sex Fiend. Dies kennt man heute unter den Begriff Crossdressing, wurde zu Zeiten von Williams Shakes (1564-1616), da die weiblichen Rollen auch von Männern gespielt wurden. Aber Visual Kei ist mehr als nur das.
Es ist umstritten, welche japanischen Musiker zuerst maskiert auftraten. Als Begründer von VK gilt allgemein die Band X (später X-Japan), dessen Mitglieder den Stil seit Anfang der 1980er-Jahre pflegten und ihm zum Durchbruch verhalfen. Es gab aber auch schon zur damaligen Zeit Gruppen wie BUCK-TICK oder Kamaitachi (Punkband von 1985-1991) mit ähnlich rockiger Musik und ebenso ausgefallenem Styling, welche von sich Reden gemacht haben.
Rasche Verbreitung fand VK während der 1990er-Jahre, als es der zweiten Generation von VK-Bands wie Luna Sea und Malice Mizer gelang, den Stil in Japan als eigenen Modetrend zu etablieren.
Seit Ende der 1990er-Jahre entstehen VK-Gruppen u. a. auch in den USA, Frankreich und Deutschland. Keimzellen hierfür sind insbesondere Anime-Conventions und -Treffen. Die dort praktizierte Nachahmung von Vorbildern (Cosplay) wurde von VK-Fans übernommen. Beliebte VK-Play-Vorbilder sind vor allem X-Japan, Dir en Grey und Malice Mizer.
Auch die ersten Auftritte deutscher VK-Bands fanden auf Anime-Conventions statt. Mittlerweile ist es nicht mehr dabei geblieben, sonder es kommen immer mehr japanische Bands nach Europa und die Medien halten sich auch nicht mehr zurück.
Man hoffe nur die gewohnte Privatsphäre die es in Japan gibt wird eingehalten.

1 Kommentar 22.3.06 20:49, kommentieren

Texte

Die Texte der Lieder sind mindestens so vielfältig wie das gesamte Genre J-Rock/J-Pop. Viele Songs sind sehr poetisch oder sogar dem Muster traditioneller Japanischer Poesie nachempfunden (z.B. Silbenzahl 7;5). Besonders auffällig sind vielleicht die morbiden, poetischen und ungewöhnlichen Texte von Kyo, dem Leadsänger oder "Prophet" von Dir en grey. Oft kann man aber auch ganz gewöhnliche Liebessongs und unverblümten Lieder über Sex, wie das Lied "Vanilla" von Camui Gackt, finden. Viele Sänger nehmen dabei kein Blatt vor den Mund und kreieren sehr eindeutige Bilder.
Daneben gibt es, wie bei uns auch, sehr unsinnige Texte. Auffällig ist allerdings, dass die meisten Liedtexte vom jeweiligen Sänger der Band geschrieben werden, der es sozusagen als seine Aufgabe oder sein Privileg ansieht diese Rolle in der Gruppe zu übernehmen, auch wenn ein anderer die Musik komponiert hat. Zudem reimen sich die Zeilen der Lieder vergleichsweise selten (was auch früher in der Poesie nicht unbedingt üblich war). Es gibt, wie auch in der modernen japanischen Sprache selbst, kaum Texte, die nicht von Fremdsprachen beeinflusst sind. Dabei beschränkt sich der Einfluss aber nicht nur auf Englisch, sondern mitunter fließen auch deutsche oder französische Worte oder Satzfetzen in die Lieder mit ein – oder sogar Russisch. Meist handelt es sich dabei nur um Phrasen oder Worte. Viele Lieder erhalten auch fremdsprachige Titel oder Anhängsel, auch wenn sie fast komplett in Japanisch gehalten sind. Ein Lied, das komplett in einer Fremdsprache gesungen wird ist eher selten. Dies hängt vielleicht auch mit zuweilen recht schlechten Fremdsprachenkenntnissen der Textschreiber oder Sänger zusammen. Von englischsprachigen Fans wird diese oft schwerverständliche "Sprache" auch "Engrish" genannt.
Die Sprachbegeisterung macht selbst vor Bandnamen nicht halt (z.B. Dir en grey: Das dir kommt aus dem deutschen, en aus dem französischen und grey aus dem englischen, heißen soll dies war scheichnlich: Du in grau. Es hängt wirklich damit zusammen das gut klingende Wörter, mit gewissen Sinn einfach aneinander gereiht werden.)

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